Freitag, 11. September 2009

I ride shotgun

So so so. Meine erste Arbeitswoche ist vorbei und naja, es war nicht wirklich aufregend. Da noch ein paar Sachen geklärt werden müssen (FBI Child Abuse Clearance und TB Test) wird es etwa bis nächsten Donnerstag dauern bis ich im After School Program arbeiten darf. Das ist beim LCFS deshalb so streng geregelt weil sich vor nicht allzu langer Zeit ein Mann in die Organisation "einschleichen" konnte der wegen Kindermissbrauchs vorbestraft war. Naja, aus diesem Grund konnte ich bisher halt nur im Büro arbeiten. Wobei arbeiten auch in Gänsefüßlein stehen müsste da ich halt echt nur das tue wofür die andern keinen Bock oder keine Zeit haben. Somit bin ich von den 5 Stunden die ich da bin im Schnit auch nur 1 Stunde beschäftigt. Den Rest der Zeit verbringe ich im Internet oder plausche mit meinen, hauptsächlich weiblichen, Kollegen. Am Mittwoch hatten wir eine Betriebsversammlung. LCFS hat dazu einen "Motivator" engagiert der uns Mut für die nächsten Monate gemacht hat, und uns gezeigt hat wie wichtig Kommunikation ist.
Morgen kommen Max und Elisa und bleiben bis Sonntag. Die beiden sind Freiwillige und arbeiten in Lancaster, einer Nachbarstadt von Philly.
Am Samstag werden wir dann Pauls Geburtstag feiern, wahrscheinlich downtown gehen und eine Bar ausmachen die es nicht so genau mit Ausweisen nimmt. Nächstes Wochenende sind wir aller Vorraussicht nach in NYC. Mal schauen. Inzwischen haben wir uns ziemlich gut eingelebt, wir fühlen uns wohl und verstehen uns prächtig.
Zum Schluss noch mein Lieblingsbild der letzten Woche, ein Schmankerl:

Montag, 7. September 2009

Hüttenpower!

Das lange Wochenende nähert sich langsam seinem Ende und die Arbeit ruft. Es ist der Abend des Labour Days und ich bin schon sehr gespannt wie die Arbeit so sein wird.
Am Sonntag, also gestern, mussten wir bei den Messen, also der deutschen und der englischen erscheinen, damit die Gemeinde erfährt wer ihre neuen Freiwilligen sind. Also haben wir uns in unsere besten Klamotten geschmissen und um waren um halb neun in der deutschen Messe. Es waren ungefähr zehn Leute über 70 anwesend, Pastor Jane, und wir anwesend. Die Lieder und Gebete waren deutsch, der Rest englisch. Zwischendurch wurden wir vorgestellt und nach der Messe kamen dann nochmal die meisten rum um sich persönlich vorzustellen. Ein wirklich herzlicher Empfang. Eine halbe Stunde später haben wir dann auch nochmal an der englischen Messe teilgenommen, die sich etwas lockerer gestaltete. Hier waren auch viele jüngere Leute vertreten und wir wurden ein weiteres Mal vorgestellt. Alles in Allem sind die Leute hier sehr nett und interessiert. Nach der Messe sind wir dann zum örtlichen Aldi gefahren, und ich muss sagen, ich habe mich zu Hause gefühlt, denn hier ist alles gleich: die Anordnung der Artikel, die Farbe des Bodens, sogar der Geruch. Und auch hier sind die Kassiererinnen immer einen Tick schneller als ich.
Heute hat uns Bill dann gegen halb eins zum German Oktoberfest abgeholt. Dieses organisiert ein örtlicher Verein, gegründet von deutschen Immigranten und es ist angeblich das größte ethnische Fest der Ostküste. Naja, es hört sich größer an als es eigentlich ist. Es gab einen deutschen Souvenirstand mit Lederhosen, Bierkrügen und Gartenzwergen, dahinter gab es einen etwa zehn Meter hohen Turm der mit verschiedenen Lebensmittel geschmückt war, angeblich eine deutsche Tradition...Aaachsooo...Desweitern wurde ein großes Bierzelt aufgebaut in der das musikalische Highlight spielte, nämlich die Musikkapelle "Hüttenpower"! Mit Tschingarassabumm hauten diese dann auch einen Klassiker nach dem Anderen raus. "Die Hände zum Himmel", "Anita", "Michaela" und "Tür an Tür mit Alice" waren nicht die einzige tanzbaren Songs aus ihrem großartigen Repertoire. Das Tanzen allerdings habe ich dann doch den etwas versierteren Genossen überlassen. Trotzdem hoffe ich, dass die Amerikaner nicht denken, dass dies die einzige deutsche Musik ist...Die denken immerhin auch, wie ich heute erfahren habe, dass es eine deutsche Tradition ist, Gurken im Weihnachtsbaumschmuck zu verstecken. Aber...DAS IST NICHT WAHR!!!
Nach einer guten Partie Basketball im Keller bin ich nun ausgepowert und freue mich auf morgen. SERVUS!

Sonntag, 6. September 2009

Die andere Seite

Philadelphia gefällt mir immer besser.
 Nachdem wir die Ghettos und Downtown "besichtigt" haben, hat uns Claus heute eingeladen mit ihm seine Lieblingsplätze aufzusuchen. Und die liegen nicht in der Stadt. Sondern im Park. Und der ist wirklich erstaunlich. Während die städtischen Gebiete und Ghettos eher dreckig und vermüllt sind, ist der Park perfekt gepflegt, es laufen Park Ranger rum und es gibt hunderte von Rehen. In einigen Teilen des Parks, könnte man meinen, direkt im Urwald gelandet zu sein.
 Es gibt überall versteckte Kunstwerke und Familien grillen und hören laut Musik.
Ausserdem zeigt uns Claus seine Lieblings Mural Arts.
Das sind riesige Gemälde an Häuserwänden, die meistens etwas mit den Menschenrechtsbewegungen und dem Freiheitskampf der Schwarzen zu tun haben. Ganz in der Nähe befindet sich übrigens das Haus von John Coltrane, welches wir dann auch gleich mal beguckt haben.
Einen tollen Anblick am Abend bot auch die Boathouse Row, welche am Schuylkill River liegt. Das sind viele kleine Bootshäuschen in denen die Universitäten ihr Ruderboote lagern. Philadelphia ist ganz groß im Rudern.
Am Ende des Tages lädt uns Claus spontan an bei ihm zu grillen. Dieses Angebot nehmen wir natürlich dankend an. Bei ihm angekommen erzählt er uns viel über die Sehenswürdigkeiten an der Ostküste, was uns etwas ärgert, da wir ja nur ein Jahr haben um das alles zu sehen. Und nur etwa einen Monat Urlaub. Wir haben einiges vor...

Samstag, 5. September 2009

Always ask a blackman!

Jetzt bin ich schon geschlagene 3 Tage in Philadelphia. Und ich lebe immernoch...Nicht schlecht.
Gestern waren wir zu dritt in der Stadt, downtown. Mit dem Bus sind wir etwa 25 Minuten gefahren.
Interessant ist, dass, je näher man der Innenstadt kommt, man immer mehr Weiße sieht. Mit dem Bus fahren aber dennoch fast ausschließlich Schwarze, sodass ich mich anfangs doch ein wenig unbehaglich gefühlt habe, aber man gewöhnt sich recht schnell daran der einzige Weiße zu sein. Deswegen auch: Wenn du etwas über Busverbindungen wissen willst: "Always ask a blackman!".
In der Stadt angekommen haben wir uns erstmal nen Stadtplan gesucht und haben die Sehenswürdigkeiten besucht, sprich die City Hall, die LOVE Statue, die Liberty Bell, den Independence Square und das Delaware Ufer. Aber es gibt noch viel mehr zu sehen. Haben aber auch noch ein Jahr Zeit dafür.
Heute werden wir nochmal mit Claus in die Stadt und in den Park (angeblich der größte Stadtpark der Welt...)  fahren, wo er uns ein paar Sachen zeigen wird.
Da am Montag LabourDay ist und das hier wohl ne Riesensause ist, werden hier fast alle Straßen gesperrt und Tische und Stühle auf die Straße gestellt und man hört überall Musik, Latino Mucke oder Hip Hop. Wir werden am Montag auf ein German Festival mit Bill besuchen. Lederhosen und Blasmusik. Sweet.
Jetzt werde ich ein kühles Budweiser genießen und lesen. Morgen früh gehen wir in die Messer hier in der Kirche und werden dort nochmal einige Leute kennenlernen. Besonders freu ich mich auch schon auf den deutschen Stammtisch am Donnerstag.
TSCHÜSS!

Donnerstag, 3. September 2009

Philly and Me

Ich bin da. Angekommen in der Stadt der brüderlichen Liebe, einst Hauptstadt der Vereinigten Staaten und Geburtsort der Unabhängigkeitserklärung. Sweet.
Nach einem einigermaßen angenehmen Flug (obwohl ich neben einer dicken amerikanischen Mutti namens Donna saß, die sich insgesamt drei Tomatensaft mit einem Schuß Wodka genehmigte (hatte vorher noch nie von einer derartigen Vergewaltigung der Geschmacksnerven gehört)), sind Paul, Simon, Elisa, Max und ich heil in Philadelphia angekommen. Obwohl wir alle unser Visum in Frankfurt rechtmäßig erworben hatten, mussten wir am Flughafen noch zu einer zweiten Befragung, die uns etwa eine Stunde Zeit kostete. Hier wurden die uns bereits bekannten Fragen gestellt: WER? WAS? WARUM? UND WER BEZAHLTS?
Doch danach ging alles recht schnell, Jane und Claus, sowie Selma, die Ansprechperson für Elisa und Max warteten bereits auf uns und da sie uns sofort erkannten wurden wir prompt herzlich begrüßt. Nach der Verabschiedung von Max und Elisa (die beiden arbeiten in Lancaster, etwa eine Stunde von Philadelphia entfernt) fuhren wir quer durch Philadelphia, an der Skyline vorbei, am Delaware entlang, hinein ins Ghetto. Ghetto heißt: baufällige Häuser, Müll auf den Straßen, Polizeisirenen und vor Allem Schwarze und Hispanics. Als wir in unsere Straße fahren erwarten uns bereits ein paar Kinder aus der Nachbarschaft denn die hatten sich aus mir unbekannten Gründen zwei Zelte vor der Kirche aufgestellt.
 Naja, Nachdem wir dann unser Haus bezogen hatten, zeigte uns Jane die Kirche, welche echt groß ist und momentan noch an ein Labyrinth erinnert. Die Kirche wurde 1908 erbaut und es findet jeden Sonntag eine deutsche und eine englische Messe Stadt. Zudem nutzen auch Pakistanis die Kirche da diese sonst keine Möglichkeit haben. Und das ist auch das Besondere an der Kirche hier. Sie ist so offen für alle anderen Kulturen und Konfessionen. Aber das ist kein Wunder wenn man sich hier mal umguckt. Die komplette Bevölkerung hier ist wie zufällig zusammengewürfelt. Nur etwa 10% der Kinder in dem After School Program der Lutheran Church in dem ich arbeiten werde sind evangelisch. Nun werde ich mich erstmal vom amerikanischen Fernsehprogramm berieseln lassen und dann ins Bett hüpfen denn der Jetlag ist am Start.